CALL FOR CONTRIBUTIONS TRANS25 SPEKULATIV

27.02.2014

Eingabefrist Abstract: 16. März 2014 /

Eingabeschluss fertiger Beitrag: 16. Mai 2014

Zürich, 27. Februar 2014. trans ist das halbjährlich erscheinende Fachmagazin des Architekturdepartements der ETH Zürich und wird seit 1997 von einer unabhängigen, studentischen Redaktion geführt. Das Heft diskutiert aktuelle Themen der Architektur und des Städtebaus im Spannungsfeld von Gesellschaft, Politik, Philosophie und Kunst.

Eine Weltkarte, die das Land Utopia nicht verzeichnet, ist keines Blickes wert, denn ihr fehlt das eine Land, an dem die Menschheit immer wieder anlandet. Und wenn die Menschheit dort gelandet ist, schaut sie erneut aufs Meer, sieht in der Ferne ein besseres Land und sticht erneut in See. Fortschritt ist die Verwirklichung von Utopien1, schrieb Oscar Wilde im Jahr 1891. Was der Autor in den goldenen Jahren des British Empire noch idealisiert als Reise beschrieb, sollte sich vor ziemlich genau einem Jahrhundert, als sich die Menschheit in die Wirren des 1. Weltkrieges stürzte, zu einer Abfolge katastrophaler Zusammenbrüche von Systemen entwickeln. Gleichzeitig boten die monumentalen Trümmer Raum für neue Visionen, Träume, Spekulationen. Blieben einige der neuartigen Ideen der 1910er– und 1920er–Jahre Gedankenmodelle, sollten andere Strömungen in das gesamtgesellschaftliche Bewusstsein Eingang finden und den Diskurs bis heute entscheidend mitprägen.

Der Begriff spekulativ leitet sich vom lateinischen speculari ab, meint spähen, beobachten, erforschen und beschreibt damit auch den Prozess des sich auf unbekanntem Terrain vorwagen, zögerlich oder mit einer mutigen Vision. 

Heute hat das Wort Spekulation deutlich an Gewicht gewonnen, lesen wir doch fast täglich Berichte von Spekulationsgeschäften und sich verspekulierenden Börsenhändlern. Machenschaften und Prozesse, die in ihrer Komplexität für Nichteingeweihte rätselhaft bleiben, bilden die heutigen ökonomischen Grundlagen. Zu spekulieren droht so in Verruf zu geraten, die Gesellschaft, lange Profiteur und nun Opfer einer andauernden Wirtschaftskrise, wird sich langsam ihrer Verletzlichkeit bewusst. Luigi Snozzi meinte 2012, dass er keine Hoffnung für die Welt und für die Architektur2 mehr habe, dass genau ein solcher ökonomischer Stillstand der Architekturdiskussion aber neues Leben einhauchen könne.

trans25 setzt die Segel und macht sich auf die Suche nach Träumen von der Zukunft, Vorstellungen des die Menschheit Erwartenden, Hoffnungen, Visionen, Glauben, Mutmassungen, Utopien unserer Zeit – nach Schätzen und Ungeheuern.

Für die Auseinandersetzung suchen wir Positionen, Thesen und Perspektiven. In ihrer Form divers und ihrem Inhalt entsprechend, können sowohl wissenschaftliche Arbeiten, persönliche Essays, Traktate, Portraits, als auch Grafiken, Fotostrecken oder Bildcollagen eingereicht werden. Zunächst sind wir an einem kurzen Beschreib Ihres Beitrages in Form eines Abstracts interessiert. Dieser sollte maximal eine A4–Seite bzw. 600 Wörter umfassen, möglicherweise ergänzt durch wenige Bilder. Bitte senden Sie uns Ihr Abstract bis zum 16. März 2014 per Mail zu. Der abgeschlossene Beitrag sollte uns bis zum 16. Mai 2014 vorliegen. trans25 wird im September 2014 im Buchhandel erhältlich sein.

Oscar Wilde, ‹The Soul of Man under Socialism›, 1891, hier übersetzt aus dem Englischen von Edward Viesel, in: ‹Die Seele des Menschen im Sozialismus›, 2012, S.22.

Philip Ursprung, ‹Podiumsdiskussion. Architektur in der Krise: Ein Blick auf die 1970er-Jahre›, Gespräch mit Ernst Gisel, Luigi Snozzi, Roger Diener, Jacques Herzog, Zürich 17.10.2012, in: trans22 Haltung/Stance, Zürich 2013, S.102.