CALL FOR CONTRIBUTIONS TRANS 26 LUST

24.09.2014

Eingabefrist Abstract: 10. Oktober 2014 /

Eingabeschluss fertiger Beitrag: 12. Dezember 2014

LUST braucht Rehabilitation, denn der Architektur angemessen ist nicht bloss was als konzeptionell kohärent und kultiviert beschrieben werden kann, sondern diejenige Denkform, die der Komplexität des Menschlichen umfassend nachkommt. Die gefühlstote Konstruktion einer Glaubwürdigkeit leugnet die leidenschaftliche, intuitiv richtige Entscheidung. Spontan sein ist Lust. 

Sprechen wir der Beschäftigung mit Architektur die Erregung durch Verwirklichung unserer inneren Seelenwelt ab, entledigen wir uns zugleich der Lust und der Selbstbefriedigung, unterdrücken Intuition und Libido und ersetzen diese durch Kalkül und Verstand. Entsagen wir dem Paradigma der Ratio, entdecken wir in der Lüsternheit die verkappten Potenziale um die Grenzen des Normativen zu überwinden.

Vielleicht ist es an der Zeit das Hinterfragen zu hinterfragen und mit demselben Misstrauen die Beziehung zwischen Architekt und Entwurf kritisch zu untersuchen. Wer tatsächlich glaubt sein Leben der Architektur zu opfern irrt, denn Architektur ist nur insofern Teil des Lebens als dass sie ihm widerstehen kann. Es herrscht indoktrinier Wille zum Verstand, krampfhafte Suche nach Grund, Referenz als Rechtfertigung. Das Unterdrücken und Verstecken von Reizen, Lüsten und Launen hat eine platte Emotionslosigkeit zur Folge von der wir von uns selbst wissen, dass wir sie nicht dulden. Wir stehen wiederholt mutlos an der Gabelung von Spontanität und Vernunft, unfähig unseren ureigensten Trieben zu folgen.

Eine Vertrauenshaltung gegenüber unseren Neigungen, Instinkten und der eigenen Unvollkommenheit ist die Grundlage zur Absolution der Architekten von Technokratie und dem, was unpersönlich und kraftlos zu werden droht. Wir müssen uns die Fähigkeit aneignen dem Intuitiven eine subtile, emotionale und durchaus individuelle Logik und damit Berechtigung zuzusprechen. Das Wagnis den Körper und dessen Empfinden zur Maxime zu machen und die Herrschaft des Hedonismus auszurufen ist zum Glücken verdammt, denn es spricht von Optimismus und Kühnheit. Befindet sich die Libido im Sturzflug fordern wir Hingabe und Sinnlichkeit; eine Gegenthese zur Diktatur des Schädels. Das Wundervolle, Einfühlsame darf den Thron übernehmen, der unter den Ärschen von Geschwister Unlust und Verstand langsam erkaltet ist.

In diesem Zerwürfnis zwischen Verantwortung und Träumerei stehen wir ein für eine Neuaushandlung des Gleichgewichts von Ratio und Lust. Für diese Diskussion suchen wir Positionen und Thesen, die in ihrer Form divers sind. Es sind sowohl wissenschaftliche Arbeiten, persönliche Essays, Pamphlete, Dokumentationen wie auch Grafiken, fotographische Arbeiten oder hybride Methoden der Auseinandersetzung möglich. Vorerst sind wir an einem Kurzbeschrieb Ihres Beitrags interessiert und bitten Sie uns Ihr Abstract bis zum 10. Oktober per Mail zukommen zu lassen. Der vollendete Beitrag sollte bis zum 12. Dezember vorliegen. trans 26 wird ab Februar 2015 im Buchhandel erhältlich sein. 

‹trans› ist das halbjährlich erscheinende Fachmagazin des Architekturdepartements der ETH Zürich und wird seit 1997 von einer unabhängigen, studentischen Redaktion geführt. Das Heft diskutiert Themen der Architektur und des Städtebaus im Kontext von Gesellschaft, Politik, Philosophie und Kunst.